Ein Notenblatt wird im Schatten des Zürcher

Rathauses gefunden. Es trägt die Handschrift

einer melancholischen Musikerin, die seit Jahren

in den Alpen lebt. Die Stadt erzittert. Die

Regierung verlangt eine Erklärung.

Die Musikerin wird befragt. Sie weist auf eine

alte Schreibmaschine hin, die sie nie benutzt

hat. Doch die Schrift ist identisch mit der, die

in einem verbotenen Dokument aus der

Regenerationszeit vorkommt. Die Stadt verlangt,

dass sie sich vor einem Tribunal stellen muss.

Sie flieht in den Bergort Lauterbrunnen. Dort

wird sie von einem Dorfältesten angesprochen,

der ihr ein verschlossenes Buch überreicht. Es

enthält Töne, die nicht gespielt wurden. Als sie

es öffnet, erklingt ein Geräusch, das niemand

hören kann – ein Echo aus einer Zeit, in der die

Kantone noch nicht vereint waren.

Die Regierung sendet eine Delegation. Sie

fordert die Rückgabe des Buches. Die Musikerin

weigert sich. Sie spielt eine Melodie, die die

Luft zum Beben bringt. Die Delegation verlässt

den Ort. Doch die Musik bleibt. Sie wird in den

Tiefen des Berges widerhallen.

Ein Gesetz wird erlassen: Niemand darf mehr in

der Antike forschen. Die Musikerin wird als

Störenfried gemeldet. Sie verlässt den Ort. Doch

ihr Name bleibt in den Akten. Ein letztes

Notenblatt wird in der Bibliothek des

Bundesarchivs gefunden. Es trägt keinen Titel,

nur eine Zahl: 1848.

Das Buch wird nie wieder gesehen. Doch in den

Alpen wird gesagt, dass manchmal die Stimmen der

Vergangenheit durch die Felsen dringen. Und dass

die Musik der Verwirrung niemals verstummen wird.