Im Schatten des Aletschgletschers steht ein
Holzhaus, isoliert und verwittert. Der
Hüttenwart, ein Mann namens Felix, lebt seit
Jahren allein, wacht über die Pfade und schreibt
Tagebuch. Doch sein Gedächtnis ist rissig – er
erinnert sich nicht mehr, wer er war, bevor er
hierherkam. Seine einzigen Begleiter sind die
Berge, die Stille und das Echo der alten Sprache,
die er nur noch bruchstückhaft spricht.
Eines Morgens findet er eine Leiche auf einem
verschneiten Pfad. Die Person trägt einen
fremden Pass, und ihr Name ist nicht in seinem
Tagebuch verzeichnet. Als er versucht, Hilfe zu
rufen, stürzt der Funkempfänger. Kein Signal.
Kein Kontakt zur Außenwelt. Die Gegenwart wird
zum Gefängnis, wo jeder Tag sich wie ein Jahr
anfühlt.
Die Bergnot nimmt zu: ein Lawinenausbruch
blockiert die einzige Route hinaus. Felix muss
entscheiden, ob er die Leiche verbirgt oder sie
der Welt zeigt. In seinem Kopf schwappen
Erinnerungsfetzen – ein Flugzeug, ein Feuer, ein
Name, der sich wie ein Schmerz anfühlt. Er
beginnt, die Toten zu suchen, die er vielleicht
nie gesehen hat.
Ein Hardrule schlägt zu: niemand darf ohne
Genehmigung das Gebiet verlassen, und keine
Medien dürfen hereindringen. Ein zweiter: keiner
darf den Namen des Toten aussprechen. Doch als
Felix die Leiche identifiziert, realisiert er,
dass sie mit ihm verwandt ist. Die Erinnerung
kommt plötzlich, wie ein Blitzschlag – sie ist
seine Tochter.
Er bleibt. Nicht aus Trauer, sondern weil er nun
weiß, dass er nicht allein ist. Die Melancholie
ist nicht mehr bloss ein Zustand, sondern ein
Teil der Landschaft, die er jetzt versteht. Das
Tagebuch wird fortgesetzt. Diesmal mit einem
neuen Namen.


