Im Dorf Schüpfheim, eingeklemmt zwischen steilen
Hängen und einer alten Kapelle, lebt Lena, die
rebellische Tochter eines ehemaligen
Bergführermeisters. Ihr Vater ist seit Jahren
verschwunden, und sein Name wurde aus allen
lokalen Aufzeichnungen gestrichen. Die Gemeinde
schweigt, als ob es ihn nie gegeben hätte. Lena,
die sich in ihrer Sprachidentität immer wieder
an der Grenze zwischen Hochdeutsch und Dialekt
verliert, beginnt, alte Karten und Tagebücher
ihres Vaters zu sammeln. Sie findet einen
unveröffentlichten Bericht über ein
verschüttetes Bergwerk, das vor zwanzig Jahren
während eines Sturms stillgelegt wurde.
Ein neuer Bergsteigerdrama bricht aus, als Lena
sich in den Schutzraum des verbotenen Tals wagt.
Der Eintritt ist streng reguliert durch eine
lokale Regel: Niemand darf ohne Begleitung von
einem staatlich genehmigten Führer hinein oder
hinausgehen. Lena ignoriert das Verbot, weil sie
glaubt, dass ihr Vater dort verschwunden ist.
Als sie in den Schächten auf eine abgelegene
Schreibtafel stößt, entziffert sie eine
handschriftliche Notiz: „Der Berg lügt nicht –
nur die Menschen.“
Die Suche nach Wahrheit führt sie in die
Unterwelt der Regenerationszeit, wo politische
Ideologien wie Liberaldemokratie und
konservative Traditionalisten miteinander
kollidieren. Lena wird zur Opfergang für eine
Gruppe reformistischer Studenten, die in dem
Bergwerk eine verbotene Sammlung von Dokumenten
entdeckt haben. Ihre Identitätssuche wird zum
Kampf um die Wahrheit über eine geheime
Verschwörung, die den gesamten Alpenkrimi der
Region prägt.
Als Lena die Dokumente an die Öffentlichkeit
bringt, wird sie von der Gemeinde gemieden, von
den Behörden beobachtet und von ihrem Bruder,
der inzwischen ein BankenthrillerMitarbeiter
geworden ist, abgelehnt. In einem sarkastischen
Moment, als sie vor dem Dorfplatz steht und die
Leute sie mit leeren Blicken mustern, murmelt
sie: „Ihr habt doch alle Angst vor der Wahrheit.
“
Die Dokumente enthalten Beweise für eine
illegale Ausbeutung des Bergwerks, die bis in
die Nachkriegsnostalgie zurückreicht. Lena
veröffentlicht sie anonym in einer regionalen
Zeitung. Die Reaktion ist heftig – der Dorfgeist
wird aufgewirbelt, und die Regenerationszeit
erwacht erneut in den Köpfen der Bevölkerung.
Lena bleibt allein mit ihrer Wahrheit, aber das
Dorf Schüpfheim hat sich verändert. Die bergige
Landschaft, die einst ihr Geheimnis verbarg,
trägt nun die Spuren ihrer Rebellion. Die
Weltmechanik des Ortes, einmal festgefügt in
traditionellen Strukturen, ist zerbrochen – und
neu gebildet worden.


