Der Schneesturm hat die Passstraße abgeschnitten.

Die Wirtin bleibt im Dorf, obwohl die anderen

fliehen. Sie hält die Tür auf, als der Mann mit

dem blutverschmierten Mantel hereinkommt. Er

trägt kein Kennzeichen, spricht kein Deutsch,

aber seine Hände kennen die Sprache der

Schmerzen. Er legt einen Stein auf den Tisch –

ein glattes, schwarzes Objekt, das unter der

Lampe leuchtet.

Die Dorfgemeinde verbannt ihn. Doch die Wirtin

lässt ihn bleiben. Sie schneidet die Wunde an

seinem Arm, und das Blut färbt sich gold. Der

Mann flüstert etwas in einer fremden Sprache,

und die Wand hinter ihm zerbricht. Ein Raum

öffnet sich, voller Licht und Stimmen, die

niemand hören kann.

Die Kirche ruft den Bischof. Er sagt, es sei

eine Fluchquelle. Die Wirtin weigert sich, den

Mann zu töten. Sie gibt ihm Wasser und Brot,

während die Männer mit Steinen werfen. Der Mann

trinkt, und die Schneefälle enden. Die Berge

atmen.

Ein Jäger aus dem Nachbardorf kommt, um die

Wirtin zu warnen. Er zeigt ihr ein Bild: ein

Gebäude, das niemals existiert hat, aber jetzt

steht. Es ist ein Krankenhaus, doch die Ärzte

tragen Uniformen aus einer Zeit, die nicht

existiert. Sie sagen, der Mann sei ein

„Wunderheiler“, und sie wollen ihn einsperren.

Die Wirtin bringt ihn in den Keller. Dort findet

sie ein Buch – in einer Sprache, die sie nie

gelernt hat, aber versteht. Es erzählt von einer

Zeit, als die Berge noch sprechen konnten. Sie

liest es, und die Wände zittern. Die Männer

unten stürmen herein. Sie schreien, dass sie die

Grenze überschritten hat.

Sie rennt. Der Mann folgt ihr, und sie rennen

durch den Schnee, bis sie den See erreichen. Das

Eis bricht, und sie tauchen ein. Unter Wasser

sieht sie die Stadt – nicht die ihre, sondern

eine andere, mit Brücken aus Glas und Straßen,

die niemals gebaut wurden. Sie spürt, dass sie

nicht mehr zurückkehren kann.

Als sie auftaucht, ist der Mann verschwunden.

Nur sein Stein liegt neben ihr. Die Dorfgemeinde

hat den See zugeschüttet. Die Wirtin bleibt

allein, aber sie weiß, dass der Berg nicht

schweigt. Er wartet.