Im Herbst 1842, während die Kantone noch in
ihrer alten Stolz verharren, aber die Ideen der
Regeneration wie ein kalter Wind durch die Alpen
wehen, trifft sich ein Mann am Fuße des
Aletschgletschers. Der zynische Detektiv Emil
Ritter ist nicht hier, um zu skifahren oder den
Berg anzubeten — er ist hier, weil jemand einen
Leichnam im Eis gefunden hat, der nicht dort
hingehörte.
Sehnsucht nach Ferne treibt ihn an, nicht aus
Reue, sondern aus Neugier. Er kennt die Menschen
dieser Region, ihre Geheimnisse, ihre Lügen.
Doch diesmal führt ihn ein Name in eine
Dreiecksbeziehung, die ihn selbst in Frage
stellt: Clara Meier, eine Lehrerin aus einem
Dorf, das seit Generationen vom Berg lebt, und
ihr Bruder, der in Zürich als Bankangestellter
arbeitet. Beide sind in den Schuldienst der
Gemeinde verwickelt, doch nur einer von ihnen
trägt das Geheimnis des toten Mannes in sich.
Die Mystik der Alpen schützt selten die Wahrheit.
Als Ritter die Dokumente der Bank durchsieht,
stößt er auf eine unerwartete Verbindung
zwischen dem Toten und einem alten Streit über
die Sprachidentität im Dorf. Die
Regenerationszeit hat nicht nur politische
Grenzen geändert — sie hat auch die Macht der
Tradition gebrochen. Wer immer den Mann getötet
hat, tat es, um die alte Ordnung zu retten,
bevor sie endgültig zerbricht.
Ritter folgt einer Spur, die ihn in die Berge
führt, wo der Bergsteigerdrama seiner Jugend ihn
einmal verändert hat. Diesmal ist es kein
Abenteuer, sondern eine Wahrheit, die ihn zwingt,
zwischen zwei Welten zu wählen: der Sehnsucht
nach Ferne und der Pflicht, die ihn an die Erde
bindet.
Als er den Mörder findet, ist es nicht der
Bruder, sondern Clara selbst. Sie hat den Mann
umgebracht, um das Dorf vor dem Untergang zu
retten — und damit den Tod ihres Bruders zu
verhindern. Die Übergangszeit hat sie geformt,
genauso wie sie ihn geformt hat.
Ritter sagt nichts. Er geht. Und die Alpen
tragen sein Geheimnis fort, wie sie schon immer
haben.


