Im Herbst 1962 betritt Clara Mayer das Dorf

Hinterthurgau, ein Ort, den sie vor zehn Jahren

verlassen hatte, um in Zürich Politik zu

studieren. Die Luft ist kühler als in Erinnerung,

die Dörfer sind von einer unveränderten Idylle

umgeben, doch die Stimmung ist angespannt. Die

alte Schmiede am Dorfrand, einst das Herz des

Ortes, steht leer. Ihr Besitzer, der letzte

Handwerker im Dorf, starb vor einem Jahr. Sein

Sohn, ein junger Mann mit Ambitionen, hat die

Werkstatt geschlossen, um in Basel

Elektrotechnik zu lernen.

Clara wird bei der alten Weberin Marta

aufgenommen, die ihr ein Zimmer überlässt und

ihr zugleich die Geschichte erzählt: Der letzte

Schmied war nicht nur ein Meister seiner Zunft,

sondern auch ein Wunderheiler. Man sagte, seine

Eisenhandschuhe heilten Knochenbrüche, und sein

Schwert, das er nie benutzte, hielt die Pest

fern. Doch als die Jahre vergingen und keine

neuen Meister mehr kamen, verschwand die Kraft.

Einige Dorfbewohner glauben, dass Clara die

Antwort sei. Sie war nicht nur eine Studentin,

sondern auch eine Tochter des ehemaligen

Schmieds. Doch ihre Rückkehr löst Streit aus.

Ein junger Bauernsohn, der sich als Techniker in

der Stadt bewährt hat, ruft nach Veränderung. Er

will die Werkstatt zum Museum machen, um

Tourismus anzuziehen. Andere fürchten, dass die

Tradition zerstört wird.

Als Clara eines Tages in der alten Schmiede

einen verborgenen Schrank findet – darin liegt

ein rostiges Schwert, das niemand je gesehen hat

–, spürt sie etwas. Die Luft ist anders,

schwerer. Die Dorfälteste murmelt, dass es das

Schwert sei, das den Schmied beschützte. Doch

wenn es wahr ist, was man über ihn erzählt, dann

muss es auch ein Risiko bergen.

Am Abend des Dorffestes, als alle zusammen

feiern, durchschreitet Clara die Menge. Das

Schwert hängt an ihrer Seite. Sie fühlt sich

nicht wie eine Fremde mehr, sondern als Teil der

Idylle, die sie verlassen hatte. Doch die Welt

draussen verändert sich. Und mit ihr auch das

Dorf.

Die Werkstatt bleibt leer. Doch Clara beginnt,

die Handwerkskunst neu zu lehren – nicht als

Museum, sondern als Leben. Die Nostalgie bleibt,

aber sie wird nicht mehr versteckt.