Im Herbst 1837 bricht ein Sturm über das Zürcher
Umland herein. Der Künstler Eduard Lüthi, einst
in Paris berühmt, kehrt nach Jahren im Exil in
sein Dorf zurück. Seine Werke sind verloren,
sein Name vergessen. Doch in den Wänden seines
alten Hauses spürt er noch den Geruch von Leinöl
und Tinte — Erinnerungen an einen Traum, der
sich nie verwirklicht hat.
Die Dorfbruderschaft, eine Gruppe konservativer
Bürger, weigert sich, ihn willkommen zu heißen.
Ihre Sorge ist nicht etwa seine Künstlerkarriere,
sondern das Flüstern seiner Tochter Clara, die
seit ihrer Rückkehr aus Basel unruhig wird. Sie
trägt eine Schachtel mit verbotenen Zeichnungen,
die sie vor dem Vater versteckt. Einige zeigen
ihre eigene Hand, andere die eines Mannes, der
nicht ihr Vater ist.
Eduard entdeckt, dass Clara eine Verbindung zur
Tochter des reformierten Pfarrers unterhält. Die
beiden jungen Frauen haben sich heimlich
getroffen, um politische Texte zu teilen, die in
der Schweiz zur Zeit der Regenerationszeit als
verboten gelten. Eduard wird zwischen der
Erinnerung an seine eigene Jugend, die voller
idealistischer Träume war, und der Gewissheit
seiner Gegenwart gefangen — einem Dorf, das sich
nicht mehr verändern will.
Als der Pfarrer Eduard die Schachtel mit den
Zeichnungen aushändigt, sieht er darin nicht nur
die Handschrift seiner Tochter, sondern auch die
einer Frau, die ihm einst im Schlafzimmer eines
Pariser Hotels nächtelang ihre Gedanken an die
Freiheit erzählt hat. Die Nostalgie, die ihn
hierher geführt hat, zerbricht in diesem Moment.
Er schreibt einen Brief, den er niemals sendet,
und legt ihn in die Schachtel. In den nächsten
Tagen verlässt er das Dorf. Clara folgt ihm auf
stillen Pfaden durch die Alpen, wo sie sich in
der Dämmerung küsst, ohne zu wissen, ob es eine
Zukunft für sie gibt.
Das Dorf bleibt zurück, wie es immer war — mit
seinen Geheimnissen, seinem Glauben und seiner
Angst vor dem, was kommen könnte. Die Welt
ändert sich nicht, doch Eduard hat endlich das
Gefühl, etwas zu verstehen, das er lange suchte:
die Macht der Erinnerung und die Schwere des
Verlusts.


