Im Herbst 1957, während die Alpen noch von den
letzten Kriegsspuren geprägt sind, zieht Clara
Halden in das Dorf Wiler, wo sie als
Musiklehrerin anfangen will. Ihr Vater, ein
ehemaliger Bergsteiger, starb bei einer Lawine,
und seitdem trägt sie die Melancholie seines
Todes in sich. Die Dorfältesten nennen sie die
melancholische Musikerin, doch ihre Hände
zittern, wenn sie das Klavier berührt – eine
Erinnerung an die Nacht, in der sie ihn verlor.
In Wiler ist die Nostalgie nicht nur ein Gefühl,
sondern ein gesetzlicher Zustand: Das Dorf lehnt
moderne Technik ab, verbietet Funkempfänger und
duldet keine Sprache außer dem Dialekt. Ein
neuer Regelungsakt des Kantons bestimmt, dass
alle Schulen bis 1962 auf traditionelle
Unterrichtsmethoden umstellen müssen. Clara, mit
ihrer Musik, wird zum unerwünschten Fremdkörper.
Als sie eines Abends im Dorflokal ein Stück
spielt, das sie ihrem Vater gewidmet hat, starrt
ein junger Mann, Felix Rüedi, ihr in die Augen.
Er ist ein Männer der neuen Zeit – ein Ingenieur,
der nach Zürich zurückgekehrt ist, um sein
Unternehmen zu gründen. Doch er wird schnell zur
Gefahr: Seine Ideen über elektrische Beleuchtung
und Radios werden als Bedrohung für das Dorf
empfunden.
Die Gemeinde entscheidet, ihn zu verbannen.
Clara, die sich immer als Opfer gesehen hat,
folgt ihm ins Exil. Während er in Zürich eine
Werkstatt aufmacht, spielt sie in Bars und
Theatern, wo ihre Melancholie zur Emanzipation
wird. Sie beginnt, Lieder zu schreiben, die den
Kampf zwischen Tradition und Fortschritt
thematisieren – ein Opfergang, der sie aus der
Trauer befreit.
Doch die Nostalgie ist kein Narrativ ohne
Konsequenz. Als ein Unfall in Wiler einen
weiteren Bergsteiger tödlich verletzt, wird
Clara zur Zielscheibe. Der Dorfälteste wirft ihr
vor, durch ihre Musik den Geist der Aufklärung
ins Dorf gebracht zu haben. Sie muss sich
entscheiden: bleibt sie im Schutz der Dunkelheit
oder tritt sie in das Licht des Düster hinaus?
Ein Tag später sitzt sie am Flughafen, eine
Gitarre in der Hand, ein Ticket nach Paris. Die
Melancholie ist noch da, aber sie ist jetzt ein
Teil der Melodie – nicht mehr das Ende, sondern
der Anfang.


