Im Schatten des Pilatus, im Herbst des Jahres
1843, spielt Clara Weber ihre Geige auf einem
Dorffest in Küssnacht. Ihre Melodie zieht die
Aufmerksamkeit von Johann Ritter, einem
konservativen Landvogt, der die Traditionen der
Region schützen will. Clara ist eine
ausgebildete Musikantin, deren Vater vor Jahren
im Dienst des Kantons starb – ein Mann, der sich
gegen die neuen liberalen Ideen gestellt hatte.
Die Dorfbewohner murmeln über Clara, denn sie
hat sich geweigert, die traditionelle Volksmusik
zu spielen. Stattdessen bringt sie fremde Töne
ins Tal, die aus den Alpen kommen, wo die Welt
anders ist. Ein alter Bergführer, der seit
seiner Jugend den Schnee kennt, erzählt ihr von
einer verlorenen Kapelle, die im Hochgebirge
steht und nur in der Regenerationszeit sichtbar
wird.
Clara folgt seinem Rat. Sie packt ihre Geige und
wandert allein in die Berge. Die Luft wird dünn,
die Wege unpassierbar. Doch als sie an einem
kalten Tag die Kapelle findet, hört sie nicht
nur das Echo ihrer eigenen Melodie – sie hört
Stimmen. Stimmen, die in der Sprache der alten
Schweiz sprechen, in der es keine Kantone gibt,
sondern nur eine Gemeinschaft unter dem Berg.
Ein Tabubruch: Clara liest in den alten Steinen,
dass die Schweiz nie ein Bundesstaat war,
sondern ein geheimes Reich, das durch die Berge
geschützt wurde. Der Landvogt Ritter hat dies
gewusst, aber verschwiegen. Jetzt muss Clara
entscheiden: Wird sie die Wahrheit teilen, oder
wird sie die Vergangenheit begraben, wie es die
Mächtigen der Zeit tun?
In der Nacht, als die Sonne hinter dem
Matterhorn versinkt, bricht ein Sturm los. Clara
spielt ihre Geige, bis die Wände der Kapelle
vibrieren. Die Erde bebt. Und in diesem Moment
wird die Welt anders – für immer.


