Im Herbst 1952 verlässt Clara Hofmann Zürich, um
in ihrem Geburtsdorf am Fuße des Pilatus zu
leben. Die Emanzipierte Städterin trägt ein
Notizbuch mit sich, in dem sie den
Sprachkonflikt zwischen Hochdeutsch und
regionaler Dialektik festhält. Ihre Mutter, eine
ehemalige Lehrerin, hatte ihr verboten, jemals
zurückzukehren – doch die Nostalgie der
Nachkriegszeit hat sie in ihren Bann gezogen.
In dem Dorf, das noch von der Regenerationszeit
geprägt ist, wird Clara auf eine alpine
Tradition gestossen: Jährlich im September
findet der «Bergschutzritual» statt, bei dem die
Dorfältesten den Geist des Berges durch ein
Ritual anrufen. Clara wird zur Teilnehmerin
ernannt, obwohl sie weder Glauben noch Ahnen
besitzt. Die Grenzüberschreitung beginnt, als
sie beim Ritual einen Schatten entdeckt, der
nicht zum Dorf gehört.
Die Dorfbewohner glauben, dass nur jemand mit
Blutverwandtschaft zum Berg sprechen kann. Clara
aber hat keine Verbindung – bis sie in der
Bibliothek des Dorfarchivs eine alte Karte
findet, auf der ihr Vater, ein ausgewanderter
Schweizer, als Wanderer verzeichnet ist. Der
Wettstreit beginnt: Clara muss beweisen, dass
sie den Geist des Berges hören kann, um ihre
Existenz hier zu legitimieren.
Ein Hard Rule ist das «Berggeheimnis»: Niemand
darf den Schatten ohne Begleitung berühren. Ein
zweiter Regel verbietet es, den Namen des
Schattens laut zu nennen. Clara bricht beide,
als sie in der Nacht des Rituals den Schatten
folgt, der in den Tiefen des Pilatus
verschwindet. Sie findet eine Höhle, in der ein
verstaubtes Tagebuch liegt – ihr Vaters. Er
hatte den Schatten gesehen, beschrieben und
gefürchtet.
Als der Tag des Rituals kommt, ruft Clara den
Schatten mit ihrer Stimme an. Der Wettstreit
endet nicht mit Gewinn oder Verlust, sondern mit
einer mystischen Verschmelzung: Clara erwacht
eine Fähigkeit, die niemand vor ihr kannte – sie
kann die Sprache des Berges verstehen. Das Dorf,
lange geteilt zwischen Traditionalismus und
modernen Idealen, sieht in ihr eine Brücke. Die
Nostalgie, die sie anlockte, wird zur Kraft, die
sie verwandelt.
Die Grenzüberschreitung ist vollzogen. Clara
bleibt nicht länger Gast, sondern wird Teil des
Dorfes – doch nie wieder wird sie die Städte
verlassen.


