Im Herbst 1957 zieht Clara aus München nach
Zermatt, um bei ihrer Tante im Hotel zu arbeiten.
Die Luft ist kalt, die Berge starr, das Dorf
noch in der Nachkriegsnostalgie gefangen. Ihre
Tante warnt sie: „Das Land hier erinnert sich an
alles.“
Clara lernt schnell, dass die Dorfbräuche nicht
nur von Kirche und Bergführer bestimmt werden,
sondern auch von einer geheimen Vereinigung
alter Einwohner, die die Gegenwart mit dem
Ersten Weltkrieg verbindet. Sie entdeckt ein
altes Tagebuch in der Bibliothek, das von einem
Geist berichtet, der in den Schneestürmen
unterwegs ist.
Ein Sturm bricht los, heftiger als je zuvor. Die
Dorfstraße wird abgeschnitten. Clara findet
einen Mann in den Bergen, der ihr die Hand
reicht – doch sein Gesicht ist verwittert wie
Stein. Er sagt: „Du bist der Schlüssel.“ Sie
weigert sich, aber die Naturgewalt drängt sie
weiter.
Am nächsten Tag erwacht sie in ihrem Zimmer,
doch alles ist anders. Das Dorf trägt keine
modernen Lampen mehr, sondern Fackeln. Die Leute
sprechen in altem Dialekt. Clara merkt, dass sie
in eine vergangene Zeit zurückversetzt wurde –
die Wiedergeburt hat sie ins Jahr 1914 gebracht.
Sie muss zwischen zwei Welten wählen: bleibt sie
im Dorf, das ihre Familie verlor, oder kehrt sie
in die Gegenwart zurück, wo sie allein ist?
Während sie den Berg besteigt, spürt sie die
Idylle zerbrechen. Der Geist aus dem Tagebuch
folgt ihr.
Als der Kriegsschrei durch die Berge hallt,
realisiert Clara, dass die Nostalgie nicht nur
Erinnerung ist, sondern auch Gewalt. Sie rennt,
bis sie vor dem Dorf steht, das jetzt in Flammen
steht. Mit einem Schrei wacht sie auf – in ihrer
eigenen Zeit, in der Morgensonne, mit einem
Brief in der Hand, der von einem unbekannten
Mann geschrieben wurde: „Du bist die Schneefrau.
“
Die Dorfchronik wird neu geschrieben, doch Clara
bleibt eine Fremde – und die Naturgewalt hat ihr
Leben für immer verändert.


