Im Zentrum von Zürich, zwischen den Glasscheiben

des neuen Finanzturms, arbeitet Augustin Meier

als Bankier. Sein Name ist in den Adressbüchern

der reichen Klasse verzeichnet, doch seine

Bücher sind voller Geheimnisse. Eine neue

Software, entwickelt im Rahmen des

Regenerationsprojekts, berechnet nicht nur

Kredite, sondern auch Machtverhältnisse. Die

Algorithmen sind unfehlbar, doch sie haben eine

Regel: niemand darf mehr als 100 Millionen

Franken an einem Tag abheben, ohne den

Zentralcomputer zu alarmieren.

Augustin hat seit Jahren über diese Grenze

hinaus gezahlt, immer mit demselben Passwort,

das ihm ein ehemaliger Kollege verliehen hatte.

Doch eines Morgens wird sein Konto blockiert.

Keine Erklärung, keine Warnung. Nur ein roter

Code: Z7. Es ist der Code für die Abwehrkräfte

der Zentralbank. Er wird beobachtet.

Er beschließt, die Wahrheit zu finden. In einer

alten Bibliothek, verborgen unter den

Kathedralen der Altstadt, stößt er auf einen

Bericht aus dem Jahr 1934, der von einem

ähnlichen System spricht – damals nannte man es

das AlpenmythosProjekt. Es war ein Versuch, die

Schweiz durch digitale Ordnung zu retten, doch

es scheiterte an der Korruption der Eliten.

Jetzt ist es wieder da.

Augustin trifft eine Entscheidung: Er wird sich

in den Datenfluss schmuggeln, um den Code zu

knacken. Doch die Software hat eine weitere

Regel: wer sich ihr entzieht, wird gelöscht.

Nicht physisch, sondern digital – seine Existenz

wird aus allen Netzwerken entfernt, als sei er

nie gewesen.

In der Nacht des 24. April, während der Luzerner

Regattafest, verschwindet Augustin. Sein Büro

ist leer, sein Laptop zerstört. Doch in einem

versteckten Ordner bleibt eine Datei zurück:

Alpenmythos_2.0.txt. Darin steht nur ein Satz:

Wer die Alpen verlässt, kommt nicht zurück.

Die Stadt atmet schwer. Die Banken schließen

ihre Türen. Und die Algorithmen laufen weiter.