Im Herbst 1937 wird die ehemalige Lehrerin Clara

Weber von einem Projekt eingeladen, das in einer

abgelegenen Forschungsstation auf dem

Aletschgletscher stattfindet. Das Ziel: die

Erforschung einer mysteriösen Strahlung, die aus

den Gletscherspalten emittiert. Die Schweiz

steht im Begriff, sich zwischen der

Regenerationszeit und der modernen

Bundesstaatlichkeit zu bewegen, doch hier oben

ist die Zeit anders – sie fließt nicht

geradlinig.

Clara trifft auf einen Mann namens Emil Roth,

der als Physiker für das Projekt arbeitet. Seine

Stimme ist seltsam dumpf, als ob er nicht

vollständig in dieser Welt existiert. Sie

bemerkt, dass die Gletscher nicht nur Eis

enthalten, sondern auch Spuren von Erinnerungen,

die sich wie Schichten übereinanderlagern.

Einmal sieht sie in einem Laborfenster einen

Schatten, der nicht zur gleichen Zeit wie sie

atmet.

Die Forschung beginnt, aber die Geräte zeigen

unerwartete Ergebnisse: Die Strahlung ändert die

Realität. Menschen werden plötzlich an andere

Orte versetzt, oder sie erinnern sich an Leben,

das nie stattgefunden hat. Clara realisiert,

dass sie nicht einfach eine Teilnehmerin ist –

sie ist Teil des Experiments. Ihre Seele wandert

zwischen Körpern, die nicht ihre eigenen sind,

und mit jedem Wechsel verliert sie mehr von sich

selbst.

Ein Hard Rule schlägt zu: Niemand darf den

Gletscher ohne Begleitung verlassen. Wer es tut,

verschwindet. Clara sieht einen Mann, der vor

ihr gegangen ist, in einer Fotografie – er trägt

ihre Kleidung, doch sein Gesicht ist fremd. Sie

begreift: Sie ist nicht die erste, die diesen

Ort betreten hat. Und sie wird nicht die letzte

sein.

In der Nacht des 28. November beobachtet Clara,

wie Emil Roth sich in einen Schatten verwandelt,

der durch die Wände der Station kriecht. Die

Energiequelle ist kein physikalisches Objekt,

sondern ein Geist der Alpen – ein Überbleibsel

der Mythen, die die Schweiz vor ihrer

Modernisierung prägten. Als Clara den Versuch

macht, die Strahlung zu stoppen, wird sie von

der Kraft des Berges gefangen genommen. Sie

bleibt zurück, ein Teil der Gletscher, ein Teil

des Schattens, der niemals vergeht.

Die Forschungsstation wird still. Kein Bericht

wird verfasst. Kein Name wird erwähnt. Nur der

Schatten am Matterhorn bleibt.