Der Schneefall legt die Strassen zu. Ein Mann
mit einer zerbrochenen Flöte verlässt Zürich,
Richtung Grindelwald. Sein Ziel: eine Stelle, wo
die Zeit stillsteht.
Im Dorf unter dem Jungfrau, das seit Jahren um
seine Identität kämpft, schreibt eine junge
Musikerin ihre letzte Noten. Sie spielt im Hof
des alten Schulhauses, wo die Kinder nicht mehr
lernen, sondern auf die Stadt hoffen.
Ein Junge sieht sie. Er trägt einen roten
Pullover, wie ihn nur die jungen Frauen aus der
Region tragen. Er sagt nichts. Nur ein Nicken.
Dann verschwindet er.
Am nächsten Tag ist die Flöte weg. Der Mann hat
sie gestohlen. Er bringt sie in die Berge, zu
einem Ort, wo niemand sie finden wird. Die
Dorfältesten sprechen von einem Geist, der die
Stimme der Natur stehlen will.
Die Musikerin folgt ihm. Sie findet ihn im
Schnee, bei einer Höhle, die nie existiert hat.
Er spielt. Die Wände beben. Die Luft riecht nach
Eisen. Sie versteht, dass er nicht einfach
stiehlt – er ändert die Welt.
Ein neuer Regierungsgesetz tritt in Kraft: alle
Musikinstrumente müssen registriert werden. Wer
sich weigert, wird als "unordentlich"
betrachtet.
Die Musikerin wird gefragt, ob sie ihr
Instrument abgibt. Sie sagt Nein.
In der Nacht wird sie entführt. Nicht durch
Gewalt, sondern durch eine Stimme, die ihr den
Weg weist. Sie erwacht in einer Hütte, wo die
Wände aus Holz und Stille sind. Der Mann spielt
wieder. Diesmal ist die Melodie anders.
Die Dorfältesten versuchen, die Hütte zu finden.
Sie suchen nach Spuren, nach jemandem, der die
Regeln gebrochen hat. Doch die Hütte ist nicht
da. Sie war nie da.
Die Musikerin bleibt. Sie spielt, bis der Schnee
schmilzt. Der Mann geht. Die Flöte bleibt. Das
Dorf vergisst den Namen des Mannes. Doch in den
Tagen danach, wenn die Kinder spielen, hören sie
die Melodie.
Die Welt hat sich verändert. Nicht durch Krieg,
nicht durch Revolution. Sondern durch eine Flöte,
die niemand gesehen hat, aber jeder gespürt hat.


