Im Herbst 1987 fällt der erste Schnee über dem
Dorf Lengenwil, eine kleine Siedlung im Berner
Oberland, wo die Alpen sich wie ein Schutzschild
vor der Welt erheben. Die heilkundige Frau Anna
Weber betreibt seit zwanzig Jahren eine Apotheke,
deren Rezepturen aus alten Volksheilmethoden
stammen. Ihre Mutter hatte sie mit diesen
Kenntnissen großgezogen, doch nun drängt ein
neuer Arzt, Dr. Keller, auf die Einführung
moderner Medikamente und staatlicher
Gesundheitsvorschriften.
Die Gemeinde verlangt, dass alle medizinischen
Praktiken lizenziert sind. Anna hat keine
Approbation, aber ihre Patienten vertrauen ihr.
Der Wettstreit zwischen alt und neu wird
sichtbar, als ein Junge nach einer Erkrankung
nicht mehr von Anna behandelt werden darf. Seine
Eltern haben sich auf Dr. Kellers Rat berufen,
was den Dorfältesten wütend macht.
Ein Hard Rule: Keine Heilerin ohne Lizenz darf
mehr praktizieren. Ein zweiter: Jeder, der sich
gegen die neue Ordnung stellt, wird von der
Gemeinde ausgeschlossen. Anna wird zur
Zielscheibe. Ihre Kunden verlassen sie, ihre
Tochter will ins Ausland gehen.
Als ein schwerer Unfall in der Gegend passiert
und Dr. Keller den Notdienst übernimmt,
verschreibt er falsch – ein Fehler, der fast
tödlich endet. Anna nutzt die Gelegenheit, um
ihre Methoden zu beweisen, indem sie den
Verletzten rettet. Doch die Dorfversammlung
verurteilt sie als Hexe.
Der letzte Tag ihrer Apotheke kommt, als die
Gemeinde sie auffordert, ihre Bücher und
Instrumente abzugeben. Anna wirft alles ins
Feuer. In der Asche bleibt nur ein kleines Buch
mit alten Rezepturen zurück, das sie ihrem Enkel
schenkt. Der Schnee fällt weiter, und die Stille
des Dorfes wird unerträglich.
Tragisch ist nicht nur ihr Schicksal, sondern
auch die Spaltung des Dorfes – ein Kampf, der
nie endet, weil niemand gewinnt.


