Im Herbst 2023 wird der Leichnam eines Wanderers

am Zugersee entdeckt, ein Mann, der seit Jahren

nicht mehr im Dorf Küssnacht gesehen wurde. Der

Pflichtbewusste Beamte Karl Ritter, ein Mann von

strengen Gewohnheiten und stiller Ehrlichkeit,

wird zur Aufklärung des Todes gerufen. Sein

Vorgesetzter betont: «Die Schweiz ist eine Insel

der Ruhe – solche Vorfälle passieren nicht.»

Karl fängt an, die alten Bewohner zu befragen.

Das Dorf, eingebettet in die Alpen, lebt vom

Tourismus und von der Erinnerung an eine Zeit,

als die Grenzen noch flüssiger waren. Die

Menschen sprechen von den Nachkriegsjahren, von

Sprachkonflikten und von Bankgeheimnissen, die

tiefer gehen als das Wasser des Sees.

Ein Dorfkind führt ihn zu einem verfallenen

Holzhüttenensemble am Hang. Dort, zwischen

Bäumen und Steinen, hatte der Wanderer zuletzt

übernachtet. Ein Schuh fehlt, ein Messer liegt

verkrustet im Sand. Karl entdeckt einen Brief,

adressiert an einen ehemaligen Bürgermeister,

der vor zwanzig Jahren verschwunden ist. Der

Brief erwähnt ein «Grenzprojekt», das nie

offiziell genehmigt wurde.

Als Karl den Hüttenbereich verlässt, stolpert er

über etwas Metallisches. Es ist ein

Schlüsselanhänger, auf dem das Logo einer

abgeschafften BergbauGesellschaft prangt. Eine

Gesellschaft, deren Aktivitäten in den 1970ern

umstritten waren und die heute nur noch in

Dorfklatsch Erwähnung findet.

Die lokale Polizei weist Karl zurück, da die

Totenuntersuchung keine Spuren von

Fremdhandlungen zeige. Doch Karl hat den

Schlüsselanhänger in seiner Tasche. Er

beschliesst, allein weiterzumachen. Im

Dorfzentrum, bei der alten Kirche, stösst er auf

eine Gruppe von Bergsteigern, die ihm mit

Argwohn begegnen. Einer von ihnen, ein alter

Mann mit grimmigem Blick, murmelt: «Man darf

nicht in die Vergangenheit blicken.»

Karl folgt dem Hinweis, doch statt der Kirche

führt es ihn in einen unterirdischen Gang, den

er durch ein vergessenes Tor entdeckt hat. Die

Wände sind mit Zahlen und Namen bedeckt – Namen,

die bis ins Regenerationszeitalter zurückreichen.

Hier, in dieser Höhle, lagerten einst Dokumente,

die die Grenzziehungen der Schweiz verändert

hätten. Ein Geheimnis, das nie in die

Öffentlichkeit gelangte.

Er findet den Körper des Wanderers in einer

Nische, umgeben von alten Akten. Der Tod war

kein Unfall, sondern ein geplanter Abtransport.

Karl fotografiert die Papiere, bevor er die

Höhle verlässt. Als er nach draussen tritt,

spürt er, wie der Tag sich verändert hat. Die

Idylle des Dorfs ist zerbrochen, doch sein Job

bleibt – und mit ihm das Geheimnis, das er jetzt

trägt.