Im Herbst 1832, während der Regenerationszeit,

erkennt der treue Dorfpfarrer Johann Meier, dass

die Sprache seines Dorfes, einst reich an

Alpenidioten und Heimatwörtern, sich schleichend

verändert. Junge Leute sprechen plötzlich im

Hochdeutsch, das aus Zürich kommt, und meiden

die traditionellen Begriffe. Die Kirche, ihr

Sitz seit Generationen, wird zum Mittelpunkt des

Widerstands.

Ein neuer Lehrer, aus Bern entsandt, verbietet

den Dorfkindern die Nutzung ihrer Muttersprache

in der Schule. Er bringt mit sich eine neue

Grammatik, die den alten Dialekt als

„unzivilisiert“ brandmarkt. Johann, der seit

zwanzig Jahren Prediger ist, fühlt sich von

seinem Volk verlassen. Er sieht darin nicht nur

einen Sprachkonflikt, sondern auch eine Rache

der jungen Generation an den Älteren, die sie

als unfähig zu modernisieren beschimpfen.

In einer Nacht, als der Frost die Berge überzog,

entdeckt Johann in der Kirche ein verstaubtes

Buch, das die ursprüngliche Sprache seines

Volkes dokumentiert. Es war vor Jahrzehnten

verboten worden, da es als „heiligsprechend“

galt – doch nun wird es zur Waffe. Er liest laut

vor, während die Dorfbewohner um ihn herum

stehen, einige weinend, andere wütend.

Die Sprachverschiebung hat den Dorfgeist

zerrissen. Einige junge Leute beginnen, die alte

Sprache zu sprechen, andere weigern sich. Der

Pfarrer, der immer für Ordnung gestanden hat,

wird zum Symbol des Widerstands. Seine Predigt

am Sonntag wird zur letzten gemeinsamen Stunde,

bevor das Dorf in zwei Lager geteilt wird:

diejenigen, die den alten Dialekt bewahren

wollen, und die, die dem Hochdeutsch folgen.

Johann verlässt das Dorf, nachdem er die letzte

Messe gelesen hat. Er lässt das Buch zurück,

doch nicht ohne einen letzten Kommentar,

sarkastisch wie immer: „Wenn man sich selbst

verliert, kann man auch keine Sprache mehr

retten.“

Das Dorf zerfällt. Die Sprache bleibt, aber

nicht mehr als Einheit. Die Weltmechanik hat

sich verändert – nicht durch Technik oder Krieg,

sondern durch Worte, die ausgestorben sind, und

Worte, die neu geboren wurden.