Ein Dorf im Schatten der Alpen wird von einer
fremden Armee belagert. Die Waffen sind nicht
Eisen, sondern Worte — eine Sprache, die niemand
versteht. Die Einwohner sprechen in Flüstern, um
nicht entdeckt zu werden. Doch die Fremden haben
einen Dolmetscher: eine junge Frau, die als
Geflüchtete aus dem Süden kam. Sie spricht zwei
Dialekte, doch keiner passt.
Sie wurde in ihrer Heimat wegen ihrer
Sprachkenntnisse verfolgt. Jetzt ist sie das
einzige Glied, das den Krieg verstehen könnte.
Doch die Dorfbewohner trauen ihr nicht. Ihre
Sprache ist ungewohnt, ihr Akzent zu scharf. Die
alten Männer murmeln, dass sie ein Spion sei.
In der Nacht bricht ein Unwetter los. Die
Belagerung wird härter. Die Fremden zerstören
die alte Schule, wo die Dorfkinder früher
gelernt haben. Der Dorfpfarrer schreibt ein
letztes Gebet, doch es bleibt ungelesen. Die
Frau, die zwischen den beiden Sprachen steht,
nimmt einen Tisch und schreibt auf ihn: „Ich bin
keine Feindin.“
Die Fremden lesen es. Einer von ihnen antwortet
mit einem Zeichen: ein Kreuz. Es ist kein Befehl,
sondern eine Frage. Die Frau nickt. In dieser
Sekunde bricht die Belagerung zusammen. Die
Fremden ziehen ab, doch nicht ohne eine Regel zu
hinterlassen: Jeder, der in diesem Dorf lebt,
muss nun eine neue Sprache lernen — oder gehen.
Die Frau bleibt. Sie gründet eine Schule, in der
zwei Sprachen gelehrt werden. Das Dorf wird
kleiner, doch die Sprache wird lebendig.
Romantisch, aber nicht zärtlich — es ist die
Sprache des Überlebens.


