Im Herbst 1842 verlässt Clara Weber das Dorf
Grindelwald, um in Zürich an einem neuen
Bauprojekt zu arbeiten. Sie ist eine der wenigen
Frauen, die im Architekturbüro von Meister
Friedrich Hauser angestellt sind. Die
Übergangszeit schafft Unruhe: Kantone
rebellieren, die Stimme des Volkes wird laut,
und die alten Rechte wanken. Clara trägt ein
Tagebuch mit sich, in dem sie ihre Gedanken über
die Sehnsucht nach Ferne notiert – ein Geheimnis,
das sie bald verlieren wird.
Am Tag ihres ersten Auftritts bei einem Treffen
der Stadtplaner entdeckt sie einen Plan, der
ihrem eigenen Design stark ähnelt, doch unter
dem Namen eines männlichen Kollegen firmiert.
Der Identitätsdiebstahl sorgt für heftige
Diskussionen. Clara wird beschuldigt, den Plan
kopiert zu haben, obwohl sie ihn selbst
entworfen hat. Die Situation verschärft sich,
als Hauser ihr den Auftrag entzieht und sie ins
Lager der Bauarbeiter verbannt.
Die sarkastische Presse schreibt über «die
weibliche Intrigantin», während Clara in der
kalten Werkstatt auf die Lösung wartet. Sie
findet ein Stück Papier, auf dem ein Code
notiert ist – eine alte Regel aus der
Regenerationszeit: Jeder Plan muss mit einem
persönlichen Siegel versehen werden. Das Siegel,
das auf dem gestohlenen Entwurf prangt, gehört
nicht Hauser, sondern einem ehemaligen
Mitarbeiter, der vor Jahren verstorben ist.
Clara reist ins Tessin, wo der Mann lebte, und
entdeckt, dass sein Sohn den Plan kopiert und
unter einem falschen Namen eingereicht hat, um
den Ruhm seines Vaters zu erlangen. Die
Erkenntnis bringt sie zur Verzweiflung, doch sie
nutzt die Regeln der Übergangszeit gegen ihn:
Jeder Plan muss öffentlich geprüft werden. Beim
Gerichtsverfahren wird das Siegel bewiesen, und
Clara gewinnt nicht nur ihren Auftrag zurück,
sondern auch Anerkennung als erste Frau im
Architekturberuf.
In den Wochen danach schreibt sie in ihr
Tagebuch: «Sehnsucht nach Ferne ist nicht Flucht,
sondern Wachstum.» Die Welt ändert sich langsam
– und mit ihr.


