Im Schatten des Matterhorns steht der Hüttenwart

seit Jahren allein. Seine Aufgabe: das Gepäck

der Wanderer zu kontrollieren, ihre Pässe zu

prüfen und auf unerlaubte Eintritte zu achten.

Doch eines Morgens fehlt sein Name in der Liste

der staatlichen Aufzeichnungen. Die Behörde in

Visp erklärt, dass ein anderer Mann mit

demselben Namen bereits seit Jahren als

Hüttenwart tätig sei — ein Mann, der nie

existiert hat.

Die Übergangszeit schreitet voran. In den

Städten wird diskutiert, ob die Kantone

weiterhin ihre eigenen Gesetze erlassen sollen

oder ob eine zentrale Regierung notwendig ist.

Die Sprachidentität wird zum Streitthema: Wer

bestimmt, was Schweizerisch ist? Wer darf den

Namen tragen? Der Hüttenwart fühlt sich

plötzlich wie ein Fremder in seinem eigenen Land.

Er begibt sich nach Zürich, um die Sache zu

klären. Dort trifft er auf eine junge Frau, die

ihn verfolgt — sie trägt einen Pass, auf dem

sein Name steht, aber ihr Gesicht ist fremd. Sie

behauptet, sie sei eine Tochter des echten

Hüttenwarts, der vor Jahren verschwand. Er

weigert sich, ihr zu glauben, doch seine

Gedanken werden schwer. Seine Erinnerungen an

die letzte Nacht im Schnee, als er einen Fremden

sah, der seinen Mantel trug, kehren zurück.

In der Regenerationszeit sind die Grenzen

zwischen Realität und Fiktion fließend. Die

Regierung versucht, die Sprachkonflikte zu lösen,

indem sie neue Gesetze erlässt — doch niemand

hört zu. In den Alpen wird es still. Der

Hüttenwart wird zur Zielscheibe: Man beschuldigt

ihn, sich einer fremden Identität bedient zu

haben.

Als er endlich vor das Gericht in Bern gelangt,

wird ihm klar: Sein Name wurde gestohlen, nicht

nur in den Akten, sondern in der Erinnerung

aller. Niemand kann sich mehr an ihn erinnern.

Nur noch ein Foto bleibt — ein schwarzweißes

Bild aus dem Jahr 1843, auf dem ein Mann im

Schnee steht, den niemand kennt.

Die Beklemmung sitzt tief. Nicht wegen der

Anklage, sondern weil er merkt, dass er selbst

nicht mehr weiß, wer er ist. Die Sehnsucht nach

Ferne, die ihn immer ins Hochgebirge zog, ist

jetzt ein innerer Kampf. Er steht am Rand einer

neuen Schweiz, die ihn nicht mehr braucht — und

er fragt sich, ob er jemals wieder zurückkehren

kann.