Die Züge zwischen den Kantonen sind stillgelegt.

Die Alpen trennen nicht mehr Grenzen, sondern

Schichten der Überlebenden. Der idealistische

Lehrer Reinhardt lebt in einem ehemaligen Dorf

im Wallis, das sich zur autonomen Siedlung

entwickelt hat. Seine Schule besteht aus drei

Zimmern und einem alten Schulbus, in dem er

Latein und Schweizerdeutsch unterrichtet. Seine

Schüler stammen aus den Nachbarschaften, deren

Eltern die neue Ordnung als Notwendigkeit

akzeptiert haben.

Ein harter Winter bringt Ressourcenknappheit.

Reinhardt muss einen Teil seiner Vorräte abgeben,

um eine Waffe für den Schutz der Siedlung zu

erhalten. Die Waffen sind jetzt ein zentraler

Handelsgut – nicht mehr Patronen, sondern alte

Gewehre, die in den Alpen noch funktionieren.

Ein neuer Regel: Jeder, der mehr als zehn Liter

Wasser pro Tag verbraucht, muss einen

Tauschpartner nennen. Reinhardt ignoriert dies,

bis ein Junge, der ihn seit Jahren respektiert,

mit leerem Magen vor ihm steht.

In der Nacht verbrennt ein Lagerhaus, das als

Bibliothek dient. Die Bücher, darunter auch sein

Lateinbuch, werden in Flammen aufgehen.

Reinhardt rennt hinein, rettet nur eine

Handschrift, die ihm einmal von seinem Vater

gegeben wurde. Als er sie zurückbringt, ist die

Siedlung in Aufruhr. Einige fordern, die Bücher

zu verbrennen, andere betonen, dass sie das

letzte Erbe seines Volkes sind.

Ein fremder Mann aus dem Kanton Uri, ein

ehemaliger Bankangestellter, bietet an, eine

neue Schule zu gründen – aber unter der

Bedingung, dass alle Unterrichtssprachen auf

Englisch oder Französisch wechseln. Reinhardt

weiß, dass dies den Kantönligeist zerstören

würde. Doch er hat keine Macht, außer der seiner

Stimme.

Er liest vor, was er gerettet hat: eine

lateinische Ballade über die Heimat. Die Kinder

hören zu, ihre Augen glänzen. Einer von ihnen

fragt: „Warum singen wir nicht mehr?“ Reinhardt

antwortet nicht mit Worten, sondern schreibt auf

einen alten Schulblock: „Weil wir es vergessen

haben. Aber wir können es wieder lernen.“

Die Siedlung entscheidet, die Sprache zu

bewahren. Der Lehrer wird zum Symbol der

Verwandlung – nicht durch Gewalt, sondern durch

Idylle. Die Waffen werden versteckt, die

Bibliothek wird wiederaufgebaut. Nicht alles

wird gut, aber das Gefühl, etwas zu behalten,

bleibt.

Der Kantönligeist lebt weiter – in einem

einzigen Raum, gefüllt mit Staub, Stimmen und

dem Geruch nach Papier.