Der Schnee fiel ununterbrochen, als Markus
Hintermann die Alpenpassstraße entlangritt. Sein
Rücken war ein einziger Schmerz, doch er hielt
den Blick fest auf die Ruinen von Zermatt
gerichtet. Die Welt hatte sich verändert: Städte
waren zu Trümmerhaufen geworden, und die
Menschen lebten in ehemaligen Bergwerken oder in
Höhlen, die sie selbst aus dem Felsen gruben.
Nur noch wenige beherrschten das Handwerk, das
einst die Schweiz prägte – Schmieden, Webern,
Zimmerleuten. Doch diese Fähigkeiten wurden
jetzt zum Leben.
Markus war kein Handwerker. Er war Soldat
gewesen, bis die Kriege ihn zerstörten. Jetzt
trug er nur noch eine alte Uniform, zerschlissen
und blutverschmiert, und suchte nach einem Ort,
an dem er nicht mehr fliehen musste. In Zermatt
fand er eine Werkstatt, die noch stand – ein
schmaler Bau mit rauchenden Ofen und glühenden
Eisen. Der Schmied, ein alter Mann namens
Friedrich, sah ihn kommen, ohne zu fragen, wer
er war. Er reichte ihm einen Hammer.
Die Regeln waren klar: Jeder, der in der neuen
Ordnung leben wollte, musste arbeiten. Keine
Geldscheine, keine Münzen – nur Tauschhandel.
Wer nicht arbeitete, starb. Markus lernte
schnell. Er hämmerte Eisen, wendete es, formte
es zu Werkzeugen, die die Überlebenden
benötigten. Doch mit jedem Schlag spürte er, wie
etwas in ihm erwachte, das lange verschüttet
gewesen war.
Ein Tag kam, an dem Friedrich ihn in die
Werkstatt führte, wo ein junger Mann lag,
gefesselt, mit einer Wunde am Kopf. „Er hat
versucht, uns zu stehlen“, sagte Friedrich.
„Aber wir brauchen ihn.“ Markus sah den Mann an
– er war jung, vielleicht kaum älter als er
selbst. Und dann sah er, was er in seiner Hand
hielt: einen Skizzenblock, voller Zeichnungen
von Maschinen, die einmal existiert hatten.
Die Verwandlung begann. Markus half dem jungen
Mann, seine Ideen zu verwirklichen. Sie bauten
Geräte, die die Arbeit beschleunigten, die das
Leben leichter machten. Die Bewohner kamen, um
zu schauen. Die Beklemmung, die Markus seit
Jahren gespürt hatte, ließ nach. Er fühlte sich
nicht mehr als ein Gefangener der Vergangenheit,
sondern als Teil eines neuen Beginns.
Als der Winter endlich vorbei war, stand die
Werkstatt voller Leute. Die Handwerkskunst, die
einst fast verloren gegangen war, hatte sich neu
gebildet. Markus sah Friedrich an, der nickte.
Der Schmied war alt, aber sein Lachen war jung.
Die Welt war nicht besser geworden – aber sie
war anders. Und für Markus Hintermann war das
genug.


