Im Herbst 1843 erreicht eine junge Frau aus dem
Norden der Alpen das Dorf Grindelwald, wo sie
als Lehrerin anfangen soll. Die Einwohner sind
misstrauisch, doch sie bleibt bestimmt. In der
Bibliothek des Pfarrers findet sie eine Karte,
die nicht auf dem Land, sondern im Himmel
eingezeichnet ist – ein mystisches System von
Lichtbahnen, das den Aberglauben mit rationaler
Ordnung verbindet.
Die Karte wird zum Zentrum eines Wettstreits:
Die alteingesessene Dorfgemeinschaft, die sich
auf traditionelle Rituale verlässt, sieht darin
eine Bedrohung. Eine Gruppe junger Reformler,
unter ihnen ein ehemaliger Bankangestellter,
will die Karte nutzen, um die Dorfversammlung zu
einer modernen, gewählten Gemeinde zu machen.
Die naive Ausländerin wird ungewollt in den
Streit hineingezogen, als sie die Karte kopiert
und an beide Parteien weitergibt.
In der Nacht des Sturm, als der Berg den Himmel
spaltete, versucht die alteingesessene
Gemeinschaft, die Karte zu verbrennen. Doch die
naive Ausländerin hat sie bereits in einen
Schrein unter dem Dorf versteckt, den nur jene
finden können, die den Sprachkonflikt zwischen
Hochdeutsch und Dialekt überwinden. Der
Wettstreit endet nicht mit Gewinnern oder
Verlierern, sondern mit einem Stillstand – die
Karte bleibt unentziffert, doch ihre Existenz
verändert die Gesellschaft für immer.
Die Melancholie des Dorfes liegt nun in den
Augen der jungen Frau, die beschliesst, nie mehr
nach Hause zukehren. Die Welt hat sich verändert,
doch niemand weiss, wie.


