Im Herbst 1843, während die Schweiz zwischen

alten Kantonen und neuem Bundesstaat schwankt,

gründet ein Mann namens Elias Rütti eine

Gemeinschaft im Tessin. Seine Anhänger glauben

an einen geheimen Pfad zur Wahrheit, den nur er

versteht. Sein Ziel: die Identitätssuche seines

Volkes zu beenden, indem er die Vergangenheit

neu formt.

Elias entdeckt ein altes Tagebuch, das auf den

Namen des verstorbenen Reformators Heinrich von

Zürich hindeutet. Darin steht von einer

«Zeitreise», einem Ritual, das die Grenzen

zwischen damals und jetzt verwischt. Er

beschließt, es auszuprobieren – mit dem Risiko,

dass die Übergangszeit sich gegen ihn wendet.

Die erste Reise führt ihn ins Jahr 1830, als die

Kantone noch unabhängig waren. Dort trifft er

auf eine Version seines eigenen Vaters, der

nicht in der Sekte lebt, sondern als Bauern im

Bergdorf Arosa arbeitet. Elias versucht, ihm

seine Ideen zu vermitteln, doch der Vater

weigert sich. Die Gegenwart beginnt, sich zu

verzerren: Bäume wachsen rückwärts, und die

Stimmen der Dorfbewohner hallen wie unter Wasser.

Die zweite Reise bringt ihn in den Mai 1847,

kurz vor der Verfassung des Bundesstaates. Dort

wird er von liberalen Politikern verfolgt, die

seine Sekte als Bedrohung für die neue Ordnung

sehen. Elias flieht, doch sein Körper bleibt

zurück. In der Gegenwart erwacht er in einem

leeren Zimmer, das nicht mehr seins ist. Seine

Anhänger haben ihn vergessen, und die

Gemeinschaft zerfällt.

Doch Elias will nicht aufgeben. Mit letzter

Kraft schreibt er eine letzte Nachricht in das

Tagebuch, bevor er in die dritte Reise geht –

diesmal ins Jahr 1848. Dort wird er nicht als

Prophet, sondern als einfacher Bürger geboren.

Doch diesmal verändert sich nichts. Die

Übergangszeit hat ihre Grenzen gezogen, und

Elias’ Suche nach Identität endet nicht in der

Vergangenheit, sondern in der Gegenwart – als

ein Mann, der nie existiert hat.

Die Beklemmung bleibt. Die Sekte stirbt. Die

Übergangszeit hat ihren Preis gezahlt.