Im Herbst 1932 betritt eine junge Frau aus dem
Süden Europas ein kleines Dorf im Kanton Uri.
Sie ist auf der Suche nach ihrer verlorenen
Schwester, die vor Jahren nach Zürich gegangen
war. Die Dorfbewohner sind misstrauisch, doch
sie weigert sich, ihre Neugier zu unterdrücken.
Ein altes Familiengeheimnis wird ans Licht
gebracht: Ein Geheimnis, das mit dem
Bankgeheimnis der Schweiz verknüpft ist. Die
junge Frau stößt auf Dokumente, die zeigen, wie
ein lokaler Unternehmer während der
Regenerationszeit mit fremden Mächten Handel
getrieben hat. Die Neutralität der Schweiz war
nie so klar wie gedacht.
Die Verschwörung umfasst nicht nur politische
Machenschaften, sondern auch einen moralischen
Konflikt. Der Unternehmer, ein einflussreicher
Mann, hatte damals die Idee einer modernen
Bundesstaatlichkeit unterstützt, doch seine
Methoden waren fragwürdig. Die junge Frau liest
Briefe, die ihre Schwester geschrieben hat —
Briefe, die von Hoffnung sprechen, aber auch von
Zweifeln an der Schweizer Neutralität.
Als sie versucht, die Dokumente an die
Öffentlichkeit zu bringen, wird sie beobachtet.
Die lokale Polizei, bestehend aus Männern, die
alle eng mit dem Unternehmer verbunden sind,
ermahnt sie leise, sich nicht einzumischen. Doch
sie weigert sich, stillzustehen.
Ein weiterer Druckpunkt kommt hinzu: Eine alte
Frau, die seit Jahrzehnten im Dorf lebt, verrät
ihr, dass es eine Regel gibt — niemand darf die
Vergangenheit der Schweiz öffentlich ansprechen,
ohne die Zustimmung aller drei Sprachregionen.
Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, das in der
Übergangszeit entstanden ist, als die Schweiz
noch zwischen Tradition und Modernität schwankte.
Die junge Frau entscheidet sich, trotz des
Risikos, den Geheimnissen auf den Grund zu gehen.
Sie reist nach Zürich, wo sie in einem Archiv
weitere Beweise findet. Doch dort wird sie von
einem Beamten gestoppt, der ihr erklärt, dass
einige Dinge nicht für die Öffentlichkeit
bestimmt sind.
Mit einem letzten Akt der Hoffnung
veröffentlicht sie die Dokumente anonym im
Lokalblatt. Die Reaktion ist gemischt: Einige
sehen darin eine Verletzung der Neutralität,
andere eine notwendige Klärung. Die junge Frau
bleibt im Dorf, wo sie beginnt, über ihre
Erfahrungen zu schreiben — nicht als Reporterin,
sondern als Teil einer Geschichte, die langsam
zur Heimatroman wird.
Die Schweiz bleibt neutral, doch das
Neutralitätsdilemma ist nicht mehr so einfach zu
ignorieren.


