Im Herbst 1843 kehrt Felix Ritter nach

Schlosswil zurück, ein Dorf im Schatten der

Alpen, das noch immer unter dem Schatten der

alten Adelsfamilien steht. Sein Vater, ein

einstiger Landwirt, starb vor einem Jahr an

einer seltsamen Krankheit, deren Ursprung

niemand erklären kann. Die Dorfchronik nennt es

«Bergschlaf», eine Erkrankung, die nur in dieser

Gegend auftritt und sich durch unerklärliche

Kältebrechen manifestiert.

Felix, ein ehemaliger Bankier aus Zürich, hat

seit Jahren den Kontakt zum Dorf abgebrochen.

Doch als er erfährt, dass sein Bruder Johann,

der jüngere Sohn, mit dem Dorfpräsidenten einen

Streit um das Wasserrecht führt, kehrt er zurück.

Die Übergangszeit hat neue Machtverhältnisse

geschaffen: die alten Adelshäuser sind schwach,

aber die neuen Reichen, wie Felix, haben keine

Ahnung von den alten Gebräuchen.

Er entdeckt, dass Johann nicht einfach nur um

das Wasser kämpft – er will die Dorfchronik in

die Hände bekommen. In ihr sind die Namen derer

verzeichnet, die während der Regenerationszeit

gegen die alte Ordnung gestanden haben. Einige

davon sind noch am Leben. Felix wird schnell

klar, dass Johann nicht allein handelt. Ein

anonymer Brief, der ihn bedroht, deutet auf

einen geheimen Kreis hin, der die Dorfgeschichte

kontrolliert.

Die Regeln der Übergangszeit haben sich

verändert: die Dorfversammlung entscheidet jetzt

nicht mehr per Stimmen, sondern durch ein altes

Ritual, das nur noch in der Sprachidentität der

Alten durchgeführt werden kann. Felix, der in

der Schweizdeutschsprache aufgewachsen ist, kann

das Ritual nicht vollziehen – es muss von

jemandem gesprochen werden, der das

Dialektmuster seiner Urgrossmutter beherrscht.

In der Nacht des Vollmonds versucht Felix, die

Chronik zu stehlen. Doch Johann ist ihm

zuvorgekommen. Der Streit eskaliert zu einem

Kampf im Bergschlafhaus, wo die kältesten

Luftmassen der Region zusammenfließen. Felix,

der nie glaubte an den Mythos seines Vaters,

muss nun erkennen, dass die Erkrankung kein

Fieber war – es war eine Form der Wut, die sich

in den Bergen sammelt, wenn die Macht sich

verändert.

Als der Morgen kommt, liegt Johann tot im Schnee.

Die Dorfversammlung ruft Felix zur Verantwortung.

Doch statt zu fliehen, nimmt er die Chronik und

liest laut vor – nicht in der Hochdeutschsprache,

sondern in dem Dialekt, den seine Urgrossmutter

sprach. Die Versammlung bricht zusammen. Die

Übergangszeit hat ihre Regel geändert: wer die

Sprachidentität der Alten trägt, darf die Macht

übernehmen.

Felix bleibt. Nicht als Rächer, sondern als

Neuerer. Das Dorf beginnt, sich zu verändern.

Die Hoffnungsvollsten unter den Einwohnern

schliessen sich ihm an. Die Alpen, die lange als

Grenze dienten, werden zur Brücke. Und Felix

Ritter, der Skrupellose Spekulant, wird zum

ersten Bürgermeister eines Dorfes, das sich

selbst neu definiert.