In den verfallenen Höfen von Grindelwald, wo die
Schneemassen seit Jahren nicht mehr schmelzen,
lebt Lena Hug, eine emanzipierte Städterin, die
sich als Kulturforscherin in den Ruinen der
alten Schweiz niederlässt. Die Welt ist nach dem
«Schweizer Kälteschock» von 2047 in eine neue
Ordnung gegangen: Der Klimawandel hat die Alpen
zu einem unpassierbaren Eiswall gemacht, und die
Züge zwischen den Kantone sind stillgelegt. Nur
noch lokale Gemeinschaften überleben, und jede
Stadt hat ihre eigenen Regeln – oft brutal.
Lena entdeckt bei ihrer Arbeit ein verborgenes
Tagebuch, das auf die Ermordung eines ehemaligen
Bergführer aus dem Dorf zurückgeht. Doch kurz
nachdem sie es findet, wird der Leichnam im
Schnee entdeckt, und sie wird als
Hauptverdächtige gemeldet. Ein falscher
Fingerabdruck, vermutlich von einem
rivalisierenden Forscherteam, weist sie direkt
in den Mord. Die Dorfbewohner, die bislang ihr
Gastfreundschaft erzeigt hatten, wenden sich ab.
Die einzige Hoffnung, sich zu rechtfertigen,
liegt in der Suche nach dem wahren Mörder. Lena
bricht in die ehemalige Bankhalle von
Grindelwald ein, wo vor dem Zusammenbruch alle
Daten gespeichert wurden. Dort stößt sie auf ein
Geheimnis: Der tote Bergführer hatte Beweise
gegen einen lokalen Clan gesammelt, der illegal
Schmelzwasser aus dem Eis exportiert. Sein Tod
war kein Zufall – er wurde mundtot gemacht.
Ein Schuss hallt durch die leerstehende
Bankhalle. Lena fällt zu Boden, doch statt ihres
Todes kommt ein anderer: Der Clanführer, der sie
an der Wand festhielt, stirbt unter ihren
Fingern. Sie flieht mit dem Tagebuch und den
Beweisen, doch die Dorfmeute jagt sie. Auf dem
Gipfel des Schlossbergs, wo einst die letzte
Regierungssitzung stattfand, setzt sie das
Tagebuch in Brand, um die Wahrheit für immer zu
verbrennen.
Die Romantik der zerbrochenen Heimat bleibt in
den Schneeflocken hängen, doch Lena verschwindet
in die Tiefen der Alpen, ohne je wiederkehren zu
wollen. Die falsche Anschuldigung hat sie
verändert – nicht in ihrer Schuld, sondern in
ihrer Freiheit.


