Im Schatten des Matterhorns lebt ein einsamer

Hüttenwart, der seit Jahren in einer abgelegenen

Bergstation wacht. Seine einzigen Gäste sind

Wanderer und selten auch Forscher, die sich für

alte Dokumente interessieren. Eines Tages findet

er in einem verstaubten Schrank ein altes

Tagebuch, das mit handschriftlichen Notizen

gefüllt ist — darunter eine Liste von Namen, die

in zwei Spalten geteilt sind: „Reformator“ und

„Tradition“.

Die Liste enthält keine Politiker, sondern

Sprachführer, deren Einfluss auf die kantonalen

Sprachgesetze entscheidend war. Der Hüttenwart

liest weiter und erkennt, dass einige Namen

gestrichen wurden, andere hinzugefügt. Er

begreift: Es handelt sich um eine geheime

Verbindung zwischen liberalen Reformern und

konservativen Traditionalisten, die während der

Regenerationszeit heimlich über die

Sprachpolitik verhandelte.

Als er die Liste fotokopiert, wird er beobachtet.

Eine Gruppe aus Zürich, bestehend aus einem

Bankangestellten, einem Journalisten und einem

Alpinisten, erscheint an seiner Tür. Sie wollen

das Dokument zurück — und drohen, ihn zu

beschuldigen, falls er es nicht freiwillig

übergibt.

Der Hüttenwart flüchtet in die Berge. Unterwegs

trifft er auf einen alten Bekannten, einen

ehemaligen Lehrer, der ihm erklärt, dass die

Liste die Grundlage für eine geheime

Vereinbarung zwischen den Kantonalen und dem

Bundesrat bildete. Die Sprachkonflikte waren nie

nur politisch, sondern auch eine Frage der

Identität — wer spricht, bestimmt, wer regiert.

In einer Höhle verbirgt er sich, bis die Gruppe

aufgibt. Doch er hat bereits kopiert. In der

Nacht legt er die Liste in eine Kapsel, die er

unter einen Stein am Gipfel des Säntis vergräbt.

Als er abwärts geht, sieht er in der Ferne ein

neues Zeichen: ein Banner mit der Aufschrift

„Neue Sprache, neues Bundesland“.

Die Welt ändert sich. Nicht durch Gewalt,

sondern durch Wissen, das endlich ans Licht kam.