Im Frühling 1843 erreicht die junge Lehrerin
Elisabeth Weber das Bergdorf Oberwiler,
vertrieben von den Zensuren ihrer radikalen
Schriften in Zürich. Die Dorfältesten erwarten
keine Fremde, sondern eine Vertreterin des neuen
liberalen Gedankens – ein Konflikt, der sich
sogleich in der Schule spiegelt, wo sie
französisch statt deutscher Sprache unterrichtet.
Die Erstkommunion in der Kirche wird zur ersten
öffentlichen Auseinandersetzung: Ein Mitglied
des konservativen Stadtrates wirft ihr vor, das
Dorf zu entwurzeln. Doch Elisabeth setzt auf die
Jugend – die Kinder lernen ihr Französisch mit
Begeisterung, was den alten Priestern Sorge
bereitet. Eine Regel ist hier ungeschrieben:
Keine fremde Sprache darf in den Schulstuben der
Region verbreitet werden, unter Strafe von
Verweis oder sogar Ausschluss aus der
Gemeinschaft.
In der Nacht der Landesversammlung im August
bricht ein Streit zwischen Liberalen und
Traditionalisten aus. Elisabeth wird zur
Zielscheibe, als ein alter Bauernsohn sie
anprangert, weil ihr Unterricht die
Dorfidentität bedrohe. Sie antwortet nicht, doch
ihre Schülerinnen und Schüler tragen fortan
heimlich Bücher mit französischen Texten ins
Dorf.
Ein weiterer Regelbruch folgt: Während der
Herbstmesse schreibt Elisabeth auf dem Dorfplatz
einen Aufsatz über die Notwendigkeit einer
gemeinsamen Sprache – weder rein deutsch noch
rein französisch, sondern ein neuer Dialekt, der
beide Brücken baut. Die Menge murmelt, einige
jubeln, doch die alteingesessenen Bürgermeister
reagieren mit einem Bann: Kein Lehrer mehr aus
Zürich, keine fremde Sprache im Schulunterricht.
Elisabeth bleibt. Sie gründet eine geheime
Schule im Keller eines Winzers, wo sie mit
jungen Frauen und Männern diskutiert, wie eine
moderne Schweiz entstehen könnte. Die erste
Generation dieser «Sprachkämpfer» wird in der
nächsten Jahrzehnte zur Grundlage der
Regenerationszeit.
Als die Winternebel sich über die Alpen senken,
verlässt Elisabeth Oberwiler nicht. Die Sprache
hat sich verändert – und mit ihr das Dorf.


