Im Herbst 1842, während der Regenerationszeit,

erbt Clara von Halden ein Gut in der Ostschweiz,

dessen Besitzrechte durch eine unerwartete

Erbschaft neu definiert werden. Ihr Vater, ein

liberaler Reformer, ist vor Jahren in einem

Streit um die Machtverteilung zwischen Kantonen

und Bundesstaat gestorben. Sein Testament

enthält eine Anweisung: „Finde den Schlüssel im

Schloss des alten Turms.“

Der Turm liegt am Ufer des Zürichsees, wo Clara

als Kind immer wieder gespielt hat. Doch jetzt

ist er verwaist, nachdem ein Brand ihn halb

zerstört hat. Sie betritt ihn mit einer Lampe,

findet in der Bibliothek ein altes Tagebuch, das

nicht ihrem Vater gehört, sondern einem Fremden,

der sich „Gast“ nennt. Die Einträge sprechen von

einer anderen Welt, einer Parallele zur Schweiz,

in der die Regeneration nie stattgefunden hat –

ein Land, in dem die Kantone weiterhin

unabhängig regieren und der Bundesstaat niemals

gebildet wurde.

Als Clara das Tagebuch liest, spürt sie einen

Stich im Herzen. Ihre Gedanken wandern zu den

Flüchtlingen, die in dieser Zeit über die Alpen

kommen, oft unter lebensbedrohlichen Umständen.

In ihrer Welt sind sie nur Zahlen, doch hier, in

diesem Buch, wird jedes Schicksal erzählt. Ein

junger Mann namens Hans, der aus Bayern geflohen

ist, wird beschrieben, wie er in dieser

Parallelwelt an der Grenze zwischen Basel und

Freiburg gefangen gehalten wird.

Ein Tag später, als Clara den Turm verlässt,

fühlt sie sich anders. Die Luft scheint schwerer,

die Stimmen der Leute auf der Strasse fremd. Sie

geht zum See, wo sie einen Spiegel in der

Dämmerung sieht – ihre eigene Reflektion, aber

mit einem anderen Ausdruck, als ob sie nicht

Clara von Halden, sondern eine andere wäre.

In der Nacht träumt sie von Hans, der ihr zeigt,

wie die Welt ohne Regeneration aussieht: eine

Schweiz, in der die Sprachidentität bricht, die

Bankgeheimnisse nicht existieren, aber auch

keine Sicherheit. Als sie erwacht, bleibt ein

Bild in ihrem Kopf – ein Schild, das „Zürich

Noir“ trägt, und darunter ein Name: „Clara von

Halden“.

Am nächsten Tag, als sie das Gut betritt, ist

der Schlüssel verschwunden. Doch das Tagebuch

bleibt. Und in ihm steht ein letzter Eintrag:

„Wer die Wahrheit sieht, muss sich entscheiden:

bleibt sie im Schatten oder tritt sie ins Licht?

Die Welt um Clara herum hat sich verändert –

nicht nur für sie, sondern für alle, die in

dieser Parallelwelt leben. Der

Regenerationsprozess, der in ihrer Realität noch

nicht vollendet ist, könnte hier bereits beendet

sein. Und das Schicksal der Flüchtlinge hängt

davon ab, was sie nun tut.