Im Frühling 1842 bricht der Schnee am
Gotthardpass nicht wie gewohnt. Die Alpen
schweigen, während im Tal die Stimmung brodelt.
In Zürich gründet ein Mann namens Felix Ritter
eine neue Bank, die sich auf den Handel mit
fremdem Gold spezialisiert – Gold, das er aus
den Kammern der alten Adelsfamilien stiehlt, die
in den Kantonen noch immer ihre Macht behaupten.
Sein Ziel: die moderne Schweiz zu formen, frei
von feudalen Zwängen.
Seine Tochter Clara, geboren in einer Familie,
deren Name einst in Basel respektiert wurde,
wird zur Geheimnisträgerin. Sie kennt die Bücher,
die er aus den Schlössern holt, und liest darin
nicht nur Rechnungen, sondern auch Briefe –
Briefe, die ihr Vater nie verbrennt. Eine dieser
Schreiben enthält den Namen einer jungen
Lehrerin, Anna Weber, die in einem Dorf nahe dem
See lebt. Clara folgt der Spur, doch was sie
findet, ist nicht nur ein Mädchen, sondern eine
Frau, die den Verstand ihres Vaters entzündet.
Felix Ritter hat Anna Weber in seiner Bank
gesehen, und zwar nicht als Untertanin, sondern
als Gleichgestellte. Ihre Beziehung bleibt
geheim, denn sie ist eine Lehrlingin der
Reformpartei, die für eine Vereinigung der
Kantone kämpft. Er will sie heiraten, doch sie
weigert sich – nicht wegen der Ideen, sondern
wegen des Blutes, das ihn trägt. „Ich will nicht
deine Tochter sein“, sagt sie.
Die Regierung der Eidgenossenschaft beginnt, die
Bank zu überwachen. Ein Gesetz, das seit kurzem
gilt, verbietet alle Finanztransaktionen ohne
Zustimmung der eidgenössischen Kommission. Felix
Ritter ignoriert es, doch seine Mitarbeiter
fliehen, und Clara muss die Bücher selbst
verstecken. Als Anna Weber in der Nacht eines
Gewitters in die Bibliothek kommt, um einen
Brief abzuholen, wird sie von den Wachen der
Kommission entdeckt.
Die beiden fliehen in den Wald, wo sie sich in
einer Höhle verstecken. Doch die Welt ändert
sich nicht so schnell. Als die Sonne aufgeht,
finden sie die Tür ihrer Zuflucht geschlossen –
von innen. Clara öffnet sie, doch statt Anna
sieht sie nur einen toten Körper, den Kopf unter
Wasser gedrückt.
Felix Ritter wird verhaftet. In seinem Gefängnis
schreibt er ein letztes Tagebuch, das niemand
mehr liest. Clara verschwindet in die Alpen, wo
sie sich als Wanderführerin neu erfindet. Die
Schweiz wird zur Bundesstaat, doch die Schatten
der Vergangenheit bleiben – in den Bergen, in
den Bäuchen der Banken, in den Herzen, die
niemals vergessen.


